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“Targets – kleine Ziele mit großer Wirkung”

Das Wort „Target“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Ziel. Nun handelt es sich im Hundetraining dabei nicht etwa um die Zielsetzung des Hundehalters, sondern es geht um ganz konkrete Ziele, die der Hund sehen, berühren oder riechen kann. Targets sind also Orte, Objekte, Gerüche und gelegentlich sogar Geräuschquellen. Beim Training mit ihnen stellt das Ziel gewissermaßen den Weg da – als Hilfsmittel, um Bewegungsabläufe zu steuern, als Orientierungshilfe, als Alternativ-Verhalten für unerwünschte Verhaltensweisen oder auch als Hilfe, den Hund zu entspannen. Targets können darüber hinaus als Beschäftigung dienen. Dabei ist ihr Aufbau einfach, ihre Wirkung groß und ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig.

Was macht ein Target aus?

Das Wesentliche eines Targets besteht darin, dass es beim Hund ein bestimmtes Verhalten und positive Emotionen gleichermaßen auslöst. So löst zum Beispiel der Anblick eines sogenannten Handtargets beim Hund den Wunsch aus, die dargebotene Hand zu berühren. Der Hund orientiert sich also nach dem Aufbau von ganz alleine zum Target. Die starke Motivation dies zu tun ist der Grund, weshalb Targets sehr zuverlässig in Training und Alltag funktionieren und weshalb sie sich im Rahmen von Verhaltenstraining gut als Alternativ-Verhalten für unerwünschte Verhaltensweisen eignen.

Ein zusätzliches Signal zum Target selber ist im Grunde nicht nötig, damit der Hund das damit verbundene Verhalten zeigt. Allerdings macht es Sinn, wichtige Targets im Laufe des Trainings zu benennen. So kann man den Hund beispielsweise auf ein Target aufmerksam machen, dieses ankündigen oder in Anwesenheit mehrerer Targets den Hund lenken. Davon abgesehen besitzt jedes Target bereits eine eigene Art Signalwirkung.

Wie baut man ein Target auf, damit es diese Wirkung hat?

Je nachdem wie ein Target geartet ist, kann der Aufbau durchaus variieren. Eines haben allerdings alle Targets gemeinsam – der Einstieg erfolgt über die sogenannte klassische Konditionierung und sie werden ausschließlich mit positiven Konsequenzen verknüpft. Der Aufbau eines Targets muss dem Hund unbedingt angenehm sein, damit es später eine zuverlässige Wirkung besitzt. Deshalb besitzen viele Targets einen von außen betrachtet fast spielerisch anmutenden Aufbau. Dabei ist es auch nicht tragisch, wenn zuweilen Trainingsmethoden wie Stimulation oder Locken mit in den Aufbau einfließen, um ein bestimmtes Verhalten mit einem Target zu verknüpfen.

Am besten lässt sich dies am Beispiel von Targets zum Berühren, oft auch Touches genannt, nachvollziehen.

Targets zum Berühren

haben verschiedene Dinge gemeinsam. Sie eignen sich in aller Regel gut dazu, dass man durch sie die Bewegung des Hundes steuern kann. Zum anderen wird durch die Berührung Aufmerksamkeit erzeugt – sei es auf das Target selber oder auf das Gefühl, dass sie erzeugen. Durch die Körperberührung kann bei einem länger andauernden Touch ein intensiver Fokus auf die Kontaktstelle oder auch die Körperposition selber entstehen. Der Hund nimmt sich selber vermehrt wahr. Hierdurch kann Spannung aufgebaut oder abgebaut werden. Grundsätzlich kann dabei jeder Körperteil zum Einsatz kommen, mit dem der Hund etwas berührt. Boden-Targets zum darauf laufen, Targets für die Pfoten, das Kinn, die Schulter und so weiter.

„Das Hand-Target“ oder auch „Der Handtouch“

Ein Handtarget bedeutet, dass der Hund lernt, die Hand eines Menschen mit der Nase anzustupsen. Hierfür läuft er beim Erblicken einer bestimmten Handhaltung auf die Hand zu und berührt sie mit der Nase. Dieses Target ist für alle Hunde in jedem Alter in den verschiedensten Situationen hervorragend einzusetzen. Mit ihm kann man den erkundungsfreudigen Welpen, der noch nicht weiß, was erlaubt ist und was nicht, bestens vom Sofa herunter oder zu einer bestimmten Stelle hinführen. Es hilft als Orientierungshilfe an einer beängstigenden Stelle beim Spaziergang vorbei zu laufen oder sich dieser anzunähern. Nicht zuletzt ist das Handtarget ist eine hervorragende Möglichkeit, um eine Vielzahl von Bewegung des Hundes zu erzeugen und diesen körpernah zu führen, ohne ihn zu manipulieren oder zu locken.

Franziska wählt für den Aufbau eine Handhaltung, die für Balu eindeutig ist. Da bereits Handzeichen für Sitz, Platz und Pfote geben bestehen, hat sie sich für die 2-Finger-Haltung entschieden. In einem ablenkungsarmen Umfeld zieht sie die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich und hält die Hand als Hand-Target in eine für Balu erreichbare Höhe. Dabei bewegt sie die Hand nicht auf den Hund zu als ob sie nach ihm greifen würde, sondern eher seitlich oder etwas von dem Hund weg. Das erste Interesse, das Balu in Richtung der Hand zeigt, honoriert sie bereits. Sie sagt ihr Markerwort und gibt ein Leckerlie zur Belohnung am Target, also an der nach wie vor ausgestreckten Hand.

Hinweis: Man kann gutes Verhalten markern oder klickern. Wer weder ein Markerwort oder einen Klicker verwendet, sollte in dem beschriebenen Moment loben und danach zusätzlich am Target eine Futterbelohnung geben.
Durch das Füttern am Target erhöht sich die Aufmerksamkeit, die Balu danach der Target-Hand entgegenbringt. Zum anderen lernt Balu am Target zu bleiben und sich nicht gleich davon weg zu bewegen. Schnell begreift Balu, dass er diese nur zu berühren braucht, um wieder eine Belohnung zu bekommen. Mit etwas Übung kann er lernen, quasi an der Hand „zu kleben“. Dies kann sehr praktisch sein, wenn man einem Hund Positionen beibringen möchte oder physiotherapeutische Übungen macht. Wichtig: Damit das Hand-Target richtig funktioniert sollte kein Futter in der Target-Hand gehalten werden. Erst nachdem der Hund sich der Hand zuwendet und diese berührt hat, wird die Futterbelohnung mit der freien Hand in die Target-Hand gegeben.

Targets zum Sehen

Zu den bekannteren Targets zum Anschauen zählt das Look Target, das einen häufigen Einsatz im Hundesport erfährt. Bei diesem lernt der Hund von unten gegen die Hand des Menschen zu schauen und seine Nase in die gleiche Richtung auszurichten. Da durch die Kopfstellung sich auch die restliche Position des Hundekörpers verändert, ist es ein oft genutztes Hilfsmittel, um schwierigere Fußpositionen aufzubauen. Weitere Beispiele sind das Bucket Game (Chirag Patel) und das Lauer-Target.

„Lauer Target“ – erst lauern, dann hetzen

Ein besonderes Target ist das Target zum Lauern. Besonders ist es deshalb, weil es Ziel und Belohnung in einem darstellt. Dabei stehen das Verhalten am Target und die Belohnung in derselben Reihenfolge wie sie im Jagdverhalten auf einander folgen. Besitzer von jagdlich passionierten Hunden kennen das Problem – bei Anblick von Wild ist das am lautesten gebrüllte Signal und der leckerste Käse völlig uninteressant. Jagdkontrolltraining besteht daher aus einer Vielzahl von Übungen und Maßnahmen. Das Lauer-Target findet hier in mehrerlei Hinsicht Einsatz – als Impulskontroll-Übung, als Alternativ-Verhalten und als Belohnung.

Beim Aufbau lernt der Hund zunächst, dass auf Stehen und Gucken eine positive Konsequenz folgt – und zwar eine, die ein aktuelles Bedürfnis von ihm befriedigt. Nur so verstärkt eine als Belohnung gedachte Konsequenz auch wirklich ein voran gegangenes Verhalten. Denn mal Hand auf’ s Herz - wer will schon den dreizigsten Keks haben, wenn man stattdessen ein Kaninchen hetzen könnte? Für einige Hunde, zum Beispiel Vertreter von Vorstehhund-Rassen, ist bereits das Lauern an sich belohnend. Für diese ist das Lauer-Target oftmals besonders attraktiv. Aber auch die sogenannten Sichtjäger lieben dieses Target und üben sich dabei in Impulskontrolle.

So z. B. Sputnik - eine knapp 2-jährige Silken Windsprite. Auch wenn einige Vertreter dieser Windhund-Rasse einen weniger starken Jagdtrieb als andere Windhunde zeigen, so kann Sputnik doch nur schlecht widerstehen Wild – und Nutztiere hoch zu machen oder zu hetzen. Insbesondere deren Bewegung löst bei ihr Hetz-Verhalten aus. Deshalb soll ein Lauer-Target zur Übung von Impulskontrolle und als Belohnung eingeführt werden. Die Wahl fällt auf ein altes kleines Plüsch-Spielzeug, das an dem ein Seil befestigt wird. So passt das Target bequem in die Tasche für unterwegs.

Zum Einstieg hole ich das neue Target aus der Tasche, zeige es ihr ruhig und wenn sie es anblickt, marker ich und werfe ein Leckerlie, dem sie hinterher springen kann. Danach verschwindet das Target wieder in der Tasche. Im Laufe der Wiederholungen halte ich das Target immer tiefer und warte immer länger bis der erlösende Marker kommt. Sputnik würde es sich am liebsten schnappen. Bevor wir an einen Punkt gelangen, an dem sie tatsächlich springt, benenne ich ihre angespannte Haltung und das Anstarren des Targets mit „Lauern?!“.

Nun verbinde ich das Lauer-Target mit der geplanten Belohnung „Hetzen“. Anstatt als Belohnung ein Leckerchen zu werfen, fliegt das Target selber. Das findet Sputnik natürlich nochmal viel besser als das Leckerchen und rennt begeistert hinterher.

Sobald sie das ruhig dargebotene Lauer-Target über mehrere Sekunden belauern kann, beginne ich es hin und her zu bewegen. Die Bewegung wird im Laufe des Trainings immer intensiver, sodass sie sich darin übt, auch dem Bewegungsreiz zu wiederstehen. Je niedriger und je schneller das Target, desto höher ist ihre Anspannung. Der Marker löst dabei stets das Lauer-Verhalten auf und die Hetze kann beginnen. Wer ohne Marker arbeitet, sollte stattdessen an dieser Stelle ein Freigabe-Signal verwenden.

Auf Spaziergängen kommt das Look-Target inzwischen regelmäßig dann zum Einsatz, wenn Vogelschwärme auf dem Feld sitzen. Anstatt durchzustarten und diese aufzuscheuchen belauert Sputnik bei dieser Gelegenheit ihren Ball und darf diesen hetzen. Auch die Zeit, die sie sich stehend zum Wild orientiert, hat sich verlängert, sodass mir mehr Zeit bleibt sie zu sichern oder Signale zu geben.

Über die erläuterten Targets hinaus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Targets – auch Targets zum Riechen. Da Gerüche sich schlechter kontrollieren lassen als Objekte, die der Hund berühren oder ansehen kann, bedürfen ihr Aufbau und Einsatz ein wenig mehr Planung. Nichts destotrotz kommen sie in wichtigen Bereichen des Hundetrainings äußerst lohnend zum Einsatz, so zum Beispiel bei der Bewältigung von Ängsten oder beim Anti-Giftköder-Training.