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Der Einzug von einem Welpen bei mir war in den letzten drei Wochen immer wieder Gesprächsthema in den Trainingsstunden der Hundeschule. Ein paar Äußerungen von mir wurden mit Überraschung aufgenommen, so z. B. welche Verhalten und Signale ich als erstes aufgebaut habe. Daher habe ich dies zum Anlass genommen, um ein paar Zeilen zum Thema „Ein Welpe zieht ein“ am Beispiel meiner Sputnik zu schreiben:

Sputnik ist wie viele Welpen im Alter von 9 Wochen bei mir eingezogen. Im Haus leben bereits zwei Hunde – eine Hündin (10,5 J.) und ein Rüde (3,5 J.).

GRUNDSÄTZLICH

„Das klären die unter sich“ – Einzug in einen bestehenden Haushalt

Das tun die Hunde ganz bestimmt, aber im Zweifelsfalle wird uns Menschen die Art und Weise wie sie es tun oder das Ergebnis nicht gefallen. Und bei einem Gewichtsunterschied (bei uns von über 24 kg) ist diese Herangehensweise dem einziehenden Welpen gegenüber auch bestimmt nicht fair.

Daher:

Als Wichtigstes stand und steht die Integration von Sputnik in den bestehenden Haushalt im Vordergrund. Dieser Prozess dauert auch jetzt noch an. Jeder vorhandene Hund muss nun alles – auch mich – mit noch einem weiteren Hund teilen und öfter zurück stecken als vorher. Daher verstärke ich erwünschtes Verhalten wie „ruhiges Warten“ und Freundlichkeiten gegenüber dem Neuzugang. Gleichzeitig sorge ich dafür, dass die „Großen“ regelmäßig Pause vom Welpen und Exklusiv-Zeiten mit mir bekommen. Da Ressourcenverteidigung bei meinem Rüden ein Thema ist, wird auch das Zulassen der Annäherung des Welpen an wichtige Objekte bei ihm positiv verstärkt.

Darüber hinaus stellt das neue Lebensumfeld für Sputnik natürlich eine Herausforderung dar. Der Straßenverkehr vor der Tür, die Hundeschule und die Pferde- & Schafsweide nebenan sind Umweltreize an die sie sich allmählich gewöhnen muss. In gebührendem Abstand davon haben wir uns all das gemeinsam angeguckt, gespielt und entspannt.

Und all diese Verhalten sind wichtig für das Zusammenleben. Sie haben keine eigenen optischen oder akustischen Signale, werden aber dennoch tagtäglich während des ganz normalen Zusammenlebens trainiert. Ähnliches ist auch in einem Haushalt mit Kindern erforderlich – nur dass hier die Regeln und notwendigen Verhalten der Beteiligten etwas anders aussehen.

KERN-REPERTOIRE

„Noch kann man ihn ja hochheben“ – Kommunikation oder Zwang?

Stimmt – wenn der Welpe etwas tut, was ich nicht möchte, oder ich ihn schnell an einem bestimmten Ort haben möchte, erscheint das ungemein praktisch. Aber weder mag es ein Welpe ständig hoch gehoben zu werden, noch ändert er sein Verhalten in diesem Moment selber aktiv. Und so lernt er eventuell dabei schneller seinem Menschen auszuweichen (um nicht wieder hoch gehoben zu werden) als das Verhaltens, das ich eigentlich von ihm erwarte.

Sputnik hat nach dem Aufbau eines klassisch konditionierten Markerwortes („TOP“) als allererstes Signal den Handtouch „TOUCH“ gelernt. Binnen 24 Stunden stupste sie meine Finger zuverlässig an, binnen 48 Stunden lief sie mehrere Meter auf meine Hand zu und kletterte auch auf Objekte, um die Finger zu erreichen. Damit konnte ich sie überall hin lenken - z. B. auf ihre Decke, von Ressourcen weg oder die Vorderpfoten vom Stuhl runter. Bei den ersten Spaziergängen half der Handtouch sie an gruseligen Stellen zum Weiterlaufen zu motivieren.

„Hallo, Hund?“ – Aufmerksamkeit dem Menschen gegenüber

Am Anfang lassen Welpen ihren Menschen nur wenig aus den Augen. Die meisten Kontaktaufnahmen durch den Menschen sorgen dafür, dass der Welpe auf sie zuläuft. Das ändert sich je mutiger der Kleine und je stärker die Ablenkung durch die Umwelt wird.

Daher habe ich als 2. Signal die Namensreaktion „SPUTNIK“ aufgebaut, um auch dann die Aufmerksamkeit meines Welpen auf mich ziehen zu können, wenn sie auf Erkundungstrip ist oder gerade eine Terrorlaune in Bezug auf die erwachsenen Hunde auslebt. Die Namensreaktion dient zurzeit vor allem der Verhaltensunterbrechung durch Umorientierung und wird als solches immer belohnt.

Da Menschen nun einmal Namen auf menschliche Weise verwenden, wird die Kraft dieses Signals im Laufe der Zeit mit Sicherheit schwächer werden. Sputnik wird oft ihren Namen hören, ohne dass die entsprechende Person sie für ihre Aufmerksamkeit belohnt. Daher werde ich später zusätzlich ein eigenes Signal für die Umorientierung aufbauen. Fürs Erste soll der Name aber reichen.

„Geh mal dahin“ oder auch „Bleib da“ – Impulskontrolle & Distanz

Welpen können wie kleine Kinder zunächst nur schlecht warten oder Abstand halten. Dies e Fähigkeiten sind aber für das Zusammenleben wichtig und müssen erstmal geübt werden. Ein wunderbares Hilfsmittel hierfür ist das Bodentarget.

Als 3. Signal hat Sputnik in ihrer zweiten Woche bei mir das Bodentarget „TARGET“ kennen gelernt - eine hellblaue flache Stoffscheibe auf die sie laufen kann und dafür eine Belohnung erhält. Diese Aufgabe fiel ihr deutlich schwerer als der Handtouch und sie hat 4 Übungseinheiten gebraucht, bis ihr eine erste Erkenntnis dämmerte. Dann ging es relativ schnell – nach der 7. Einheit lief sie bereits von mir abgewandt weg hin zu dem Target, das 1,5 m vor mir lag. Jetzt werden wir das längere Ausharren auf dem Target üben.

Diese Scheibe kann ich klein zusammenrollen und bequem überall mit hinnehmen. Sie wird später als Orientierungshilfe für das Bleiben an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Als erstes soll sie dabei helfen, geduldig auf das Futter zu warten während die anderen evtl. ihren Napf schon haben.

Und das war’s eigentlich – ein Markerwort und 3 Signale sind mein Kernrepertoire und damit meistern wir derzeit eigentlich alle Situationen.

  • Mit dem Namen erhalte ich ihre Aufmerksamkeit und unterbreche Verhalten.
  • Mit dem Handtouch initiiere ich Bewegungen zu mir hin und in meinem nahen Umfeld.
  • Mit dem Bodentarget übe ich Bewegungen (auch) von mir weg und später das Halten von Positionen.

Einziges weiteres Hilfsmittel: ein Welpengitter für die Situationen für die ihre Impulskontrolle bei Sputnik einfach noch nicht reichen kann.

SO GANZ "NEBENBEI" 24 STUNDEN RUND UM DIE UHR

Natürlich gibt es darüber hinaus noch weitere Signale, denn neben der anfänglich beschriebenen Integration in den Haushalt bietet das alltägliche Zusammenleben genügend Herausforderungen und viele Möglichkeiten verschiedene Signale und Verhalten ohne eigene Übungseinheiten zu etablieren. Wir kommunizieren oft mit unseren Hunden, was normal und gut ist. Manchmal kann man dabei so ganz nebenbei einiges einstudieren, ohne dass es einen Mehraufwand darstellt:

„Endlich schläft es“ – Mehr als nur eine Pause

Aktivitäts- und Ruhephasen wechseln sich am Anfang noch häufig ab und viele Welpen suchen gerne Körperkontakt wenn sie sich schlafen legen. Den Beginn einer Ruhephase nutze ich, wenn ich gerade die Zeit dazu habe, um ein Entspannungssignal zu konditionieren oder aber für ein Medical Training.

Statt einfach mit Sputnik zu kuscheln oder sie in den Schlaf zu lullern, sage ich vor oder beim Streicheln mein Entspannungssignal „EASY“ und streichele sie dann so, dass sie entspannt und genießt. Oder aber ich sage es zu ihr, wenn sie sich gerade selber entspannt (ihr wohliges Knöttern und Blinzeln beim Hinlegen und Strecken ist weder zu überhören noch zu übersehen). Das Entspannungssignal setze ich z. B. ein wenn die Kleine so aufgeregt ist, dass sie den erwachsenen Hunden auf die Nerven fällt und es ihr schwer fällt deren Ausladungen nachzukommen.

Bei anderer Gelegenheit (wenn Sputnik noch nicht allzu müde aber schon recht ruhig ist) kündige ich die Berührung sensibler Körperbereiche an (z. B. „OHR“ oder „AUGE“) und berühre sie dann (mit oder ohne einen Gegenstand) an der entsprechenden Stelle. So trainieren wir ganz nebenbei derzeit das Untersuchen von Augen, Zähnen, Ohren, Pfoten und Anogenitalbereich.

„Den Rückruf konnte er schon mal“ – Eine frühe Basis legen

Wie bereits erwähnt laufen Welpen anfangs gerne zu ihren Menschen, sobald diese sich ihm zuwenden. Menschen verheißen jede Menge Gutes – Geborgenheit, Futter, Spiel. Die Prioritäten im Leben eines jungen Hundes verschieben sich aber im Laufe seiner Entwicklung. Fühlt er sich sicher, ist die Geborgenheit beim Menschen plötzlich nicht mehr so wichtig. Ist die Umwelt wahnsinnig spannend, ist Futteraufnahme in dem Moment eventuell weniger erstrebenswert.

Aus diesem Grund mache ich mir bereits von Anfang an jedes freudige Zu-mir-Laufen ganz nebenbei zunutze, um den Rückruf zu üben. Ich erwarte ihn nicht, sondern belege das Herankommen einfach bereits mit meinem späteren Anker-Signal („GO-GO-GO“). So verbindet Sputnik das Signal mit dem gezeigten Verhalten und ihrem eigenen Spaß daran, der im Moment noch wahnsinnig hoch ist. Natürlich folgen auf den Anker der Marker und etwas Gutes wie Futter, ein Spiel oder albernes Durchknuddeln.

„Piranha, Biber & Co.“ – Von Nagen und Beißhemmung

Welpen kauen auf Dingen herum. Welpen beißen in Finger, Hosenbeine, Zehen, … Dies ist ein ganz natürliches Verhalten, dem unterschiedliche Motivationen zu Grunde liegen können: Erkundungsverhalten, Spiel, Zahnwechsel, Frust, u. v. m.

Natürlich sollen Welpen nicht überall drauf rum kauen und die spitzen Zähnchen können auch ganz schön wehtun. Wichtig dabei ist, sich vor Augen zu führen, dass das zugrunde liegende Bedürfnis sich durch ein Verbot nicht einfach in Luft auflöst. Es reicht nicht einfach (und eventuell immer strenger werdend) „Nein!“ zu sagen. Es ist notwendig, dem Welpen die Möglichkeit zum Ausleben des Bedürfnisses zu geben. Die Kunst ist es, das Beißen geschickt umzulenken.

Aus diesem Grund habe ich Objekte aus ganz unterschiedlichen Materialen im Haus herum liegen, die Sputnik haben darf. Kommt sie auf die Idee, an einem Stuhlbein zu nagen, orientiere ich sie auf ein hartes Spielzeug um, z. B. ein dickes Stück Buchenast. Hat sie einen Teppich im Visier, kommt evtl. das fellige Dotti zum Einsatz. Ist ein „verbotener“ Gegenstand in einem Moment fast unwiderstehlich, sodass das Spielobjekt ihre Aufmerksamkeit nicht fesselt, habe ich die Möglichkeit die Wertigkeit des Spielobjektes durch ein ausgiebiges Spiel zu erhöhen oder ich lenke sie zusätzlich in einen anderen Raumbereich. Läuft sie wieder zu dem Tabu-Objekt, orientiere ich sie um bevor sie daran wieder nagt und belohne die Umorientierung.

Hier ist bei manchen Gesellen ein langer Geduldsfaden gefragt, aber der Erfolg ist dann oft nachhaltig. Das Wegräumen nicht erforderlicher aber empfindlicher Dinge wie Schuhe, Deko u.s.w. aus der Welpen-Reichweite ist selbstredend. Ist das Thema „Objekte kauen“ erstmal durchgestanden, kann ja alles wieder an seinen alten Platz.

Durch das Entspannungs- und Medical Training habe ich bereits einen Teil dazu getan, dass Sputnik Hände nicht als Welpen-Kaugummi versteht. Bleiben die Momente, in denen sie aufgeregt ist und/ oder der Kontext dazu einlädt, hinein zu beißen, z. B. beim Spielen. In diesen Momenten lenke ich sie dann gleichfalls auf ein Objekt um, ein kleines Seil oder ein Spielzeug. Ist sie zu aufgeregt, kommt das Entspannungssignal zum Einsatz und sie muss sich erst ein wenig beruhigen bevor wir gemäßigter weiter spielen oder ggf. etwas ganz anderes tun.

„Pipi machen“ – Stubenreinheit

Einige Welpen lernen bereits beim Züchter, dass man sein Geschäft draußen verrichtet, andere lernen dies erst in ihrem neuen Zuhause. Grundsätzlich gilt hier „Vorbeugen ist besser als Wegwischen“. Wann immer ein Welpe geschlafen oder gefressen hat oder aber aufgeregt ist bzw. war, muss er sehr wahrscheinlich ein kleines oder großes Geschäft machen. Da heißt es raus, warten bis es passiert und ausgiebig loben. Die Missgeschicke, die derweil drinnen passieren sollte man als Anreiz werten, seinen Welpen noch besser beobachten und kennen zu lernen … und sie kommentarlos entfernen.

Auch wenn Sputnik weitestgehend schon stubenrein war, habe ich das Pinkeln mit dem Wort „Pipi“ eingefangen, um sie später einmal gezielt dazu auffordern zu können. Das war früher hilfreich als gedacht, denn sie kam auf die Idee, dass es bei Regen doch viel toller für einen kleinen Windhund wäre, drinnen eine Toilette zu haben – Vembers Korb bot sich aus ihrer Sicht perfekt an. Und so mussten auch wir trotz all der tollen Vorarbeit der Züchterin noch einmal das Thema Stubenreinheit angehen.

 „Das hast du fein gemacht“ – Belohnungen

Belohnungen können sehr vielseitig sein. Sollen sie ein Verhalten verstärken, bedient man sich am besten einer Sache, die ein aktuelles Bedürfnis des Welpen befriedigt. Der Keks alleine mag am Anfang noch reichen, doch meist kommt irgendwann der Punkt, an dem ein Hund nicht mehr alles dafür stehen und liegen lässt. Die Art und Weise wie der Hund zum Keks kommt, Spiele, Entspannung und selbstbelohnende Verhalten werden zunehmend wichtig.

Daher werde ich im Laufe der Zeit Belohnungen aus verschiedenen Funktionskreisen unter Wortsignal stellen.

Derzeit halte ich es noch ganz einfach und es gibt nur für den Keks, der auf den Boden fällt („SUCH“) und den Keks, der über den Boden rollt („ROLLER“), ankündigende Wörter. Nach einigen Wiederholungen hat sich Sputniks Nase auf das Wort „SUCH“ schon schnell gesenkt und „ROLLER“ ist aus ihrer Sicht der pure Hit als Belohnung.

Vermutlich werden „SPIEL“ und „RENNEN“ die nächsten Belohnungssignale werden … denn Motivation ist ein Kernelement erfolgreichen Trainings.

„Nein, das darfst du nicht! Und das da auch nicht!“ – Ein Riesenberg an Regeln?

So wie dieser Text platzfüllend geworden ist, ist das Zusammenleben mit einem kleinen Welpen zeitfüllend. Und viel Zeit nehmen die vielen Verhalten ein, die eigentlich kein eigenen Signalwörter oder -gesten besitzen, wie „Das ist nur ein Trecker!“, „Stör Mazzel nicht beim Stöckchen kauen!“, „Gepinkelt wird draußen!“, …

Da macht es Sinn, Prioritäten zu setzen. So hat mein Welpe z. B. noch keine Ahnung davon, was „Sitz“ oder „Platz“ bedeutet. Mit unserem Kernrepertoire Name, Handtouch und Bodentarget in Zusammenspiel mit meiner Körpersprache, dem Entspannungssignal und den Lernerfahrungen aus dem Medical Training sind wir aber bereits drei Wochen erfolgreich durch unser gemeinsames Leben gegangen und werden es auch noch die nächsten Wochen.

Sputnik kann schon recht gut entspannen und warten, und auch die Tierarztuntersuchung beim Impftermin lief fröhlich ab – inklusive selbstständiges Klettern auf den Tisch und Warten während dieser hochfuhr.

Natürlich steckt in Sputniks fröhlichem Kopf auch jede Menge Welpen-Unsinn. Und da heißt es ganz konsequent:

  • Unerwünschtes Verhalten verhindern
  • Auftretendes unerwünschtes Verhalten so früh wie möglich unterbrechen
  • Alternativverhalten initiieren
  • Alternativverhalten verstärken

Und dabei seinen neuen Hund kennen lernen. In dem Sinne wünsche ich uns beiden und allen Welpen-Besitzern viel Freude aneinander!